SUSANNAH
SUSANNAH (1955)
Musical Drama by Carlisle Floyd (*1926)
Eine Produktion von New Hope Opera
Regie: Nadine Hellriegel
Dezember 2007 - Januar 2008
Forum der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

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Sinneslust, Eifersucht, Bigotterie, Verführung, Verrat, Rache. New Hope Valley, Tennessee, in den 50er Jahren. Halbwahrheiten, Verdächtigungen, Illusionen, Fassaden. Susannah Polk, eine hübsche, junge Frau, wird von der Dorfbevölkerung der Sünde bezichtigt, da sie nackt im See gebadet hat. Der Wanderprediger Olin Blitch will ihr ihre Sünde vergeben – und er will Susannah. „Die Vorstellung, dass ein Mensch allein über die Anfechtungen und den moralischen Druck der Gemeinschaft siegt, ist ein wunderbarer Ausgangspunkt für ein Drama; und die Vernichtung von Unschuld ist ein Thema, wie wir es herzzerreißender nicht abhandeln könnten.“ (Carlisle Floyd) Vor allem aber ist Susannah eine amerikanische Oper, von ihrem Schauplatz und der Authentizität des Textes bis hin zu folkloristischen Stilelementen. Sie ist ein strahlendes Beispiel für die amerikanische lyrische Musik der 50er Jahre, eines Jahrzehnts, in dem Musiktheater und Oper gediehen. |
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| Enge Dorfgemeinschaft Die schöne Susannah reizt die kleine Dorfgemeinschaft. Ohne Eltern nur mit ihrem Bruder ist sie aufgewachsen. Wirft sie nicht zu unbeschwert ihre langen Haare beim Squaredance, lacht sie nicht zu offen die Jungs an? Die saubere Gemeinde ahnt Böses. Als der Wanderprediger ins Dorf kommt, scheint es sich zu bewahrheiten. Auf der Suche nach einem Fluss zum Taufen der Bekehrten entdecken die Dorfältesten Susannah beim Baden. Nackt! Dass Little Bat unter dem Druck seiner Eltern dann auch noch lügt, dass Susannah ihn verführt habe, so wie er sich heimlich stets wünschte, bestätigt die schlimmsten Ahnungen des Dorfes. Für den Prediger wiederum eine wunderbare Gelegenheit sich der schönen Susannah auf seine Art zu nähern. In ihrer Nähe erinnert er sich nämlich allzu schmerzlich daran, dass er ein sehr einsamer Mann ist und sich nach einer Frau sehnt. Einerseits will er also ihre Seele retten und andererseits sich selber eine Belohnung dafür abholen. Regisseurin Hellriegel hat für ihre Diplom-inszenierung in der Musikhochschule zwei perfekte Hauptdarsteller gefunden. Rebekka Reister interpretiert die Susannah mit so viel unschuldigen Charme, dass ihr Schicksal berührt. Der Prediger Peter Veit zeigt eine Vielschichtigkeit, die in seiner Rolle nicht zu vermuten gewesen wäre. Zusammen mit dem hervorragenden bonbonsüßen Bühnenbild wird diese Inszenierung an der Musikhochschule zu einem ganz großen Abend. Bonbonbunte kleine drehbare Häuschen charakterisieren die überzuckerte Äußerlichkeit und Beschaulichkeit der kleinen Puppenstübchen, in denen die Dorfbewohner leben. Ihre Weltsicht begrenzen die Berge, die der Bühnenhintergrund aufragen lässt. Dazwischen findet Hellriegel noch Platz für aussagekräftige Projektionen: Mal blitzt der romantische Sternenhimmel, dann badet die Schöne in den Fluten und zum Schluss fließt das Blut. Großes Orchester, großer Chor, große Besetzung, großes Bühnenbild, großes Musiktheater! |
Carlisle Floyds gesellschaftlich tiefgründige Oper „Susannah“ ist beileibe keine gängige Kost. Angesiedelt in den biederen, oberflächlichen und moralisch verlogenen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, bildet das Werk den damaligen Zeitgeist ab. Jetzt bot die ambitionierte Hamburger Musikhochschule das Werk als Hamburger Erstaufführung, und die Inszenierung von Nadine Hellriegel überzeugte durch extreme Vielschichtigkeit, Wandlungsfähigkeit sowie das Festhalten am konventionellen Regietheater. Opernglas, Januar 2008
Susannah Rebekka Resiter Olin Blitch Peter Veit Sam Max Freidrich Schäffer Little Bat McLean Markus Richter Mrs Mc Lean Corinna Meyer-Esche Mrs Hayes Ulrike Gottschick Mrs Gleaton Véronique Elling Mrs Ott Claudia Brandenburger Mr McLean Matthias Franck Mr Hayes Sigurd Hartwigsen Mr Gleaton Didi Podszus / Frank Nahnsen Mr Ott Dieter Lipinski New Hope Orchestra New Hope Choir
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Große Oper à la Broadway Neben "Porgy and Bess" ist "Susannah" die meistgespielte Oper Amerikas. Nun wird sie an der Hochschule für Musik und Theater als Diplominszenierung aufgeführt Mit größerer Leidenschaft kann man seine Berufskarriere kaum starten: Nadine Hellriegel, frisch gebackene Absolventin des Studiengangs Musiktheater an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater stellt am 14. Dezember ihre Diplominszenierung im Forum der Hochschule vor. Ausgesucht hat sie sich einen amerikanischen Opernklassiker des 20. Jahrhunderts, der in Deutschland zwar schon einige Male inszeniert wurde, hier aber längst nicht die Popularität besitzt wie jenseits des großen Teiches. Das musikalische Drama "Susannah" von Carlisle Floyd aus dem Jahr 1953 war Hellriegels ganz persönliche Wahl. Um mehr über den Schöpfer selbst und seinen Bühnenerfolg zu erfahren, hat sie sich vor Beginn der Regiearbeit auf die Reise in die USA gemacht, um den 81-jährigen Komponisten persönlich kennen zu lernen. "Noch sind unsere Gespräche alle auf Tonband", sagt Hellriegel, "wenn ich an der Hochschule fertig bin, werde ich sie veröffentlichen." Obwohl sie weiß, dass es die amerikanische Oper in Europa traditionell schwer hat, hat sie sie zu ihrem Schwerpunkt erklärt: "Als die Amerikaner Opern wie 'Susannah' schrieben, war die Zwölftonmusik schon zwanzig Jahre lang abgefrühstückt, und die Avantgarde hatte Fuß gefasst. Trotzdem haben die Bühnenkomponisten direkt an Puccini angeknüpft." Floyds Meisterwerk vereint alle Merkmale amerikanischer Oper, die auch die Stücke des Italo-Amerikaners Gian Carlo Menotti oder Samuel Barbers prägen. Eifersucht, Verführung, Verrat und Selbstbehauptung in einer Gesellschaft voller Vorurteile sind die Motive, die Floyd in seiner Adaption der biblischen Episode "Susanna im Bade" verarbeitet. Sie entstand nach den Apokryphen, den geheimen Büchern der Bibel. Bei Floyd befinden wir uns in einem kleinen Dorf in Tennessee in den 50er-Jahren, wo sich die Menschen gegenseitig kennen und beobachten und ihre Handlungen an selbst geschaffenen Werten und Moralvorstellungen messen. In dieses System passt die bildschöne Susannah (gesungen von Rebekka Reister) nicht, denn sie bringt, abgesehen von der Provokation, nackt zu baden, selbst den Wanderprediger Olin Blitch (Peter J. Veit) in einen Konflikt mit sich selbst. Die Bewohner von New Hope Valley grenzen die junge Frau aus, und ausgerechnet der Geistliche erliegt ihren Reizen. Floyd lässt bewusst die Frage offen, wer hier versagt hat, und warum das Individuum und eine Gesellschaft nicht über den eigenen Schatten springen können. "Ich komme selbst aus einem ganz kleinen Dorf in Süddeutschland, wo so was genau so ablaufen könnte", erzählt Nadine Hellriegel. "Wer sich an bestimmte, selbst aufgestellte Regeln nicht hält, wird gleich geächtet." Carlisle Floyd, der von Ernst Bacon ausgebildet und in den 70er-Jahren als Professor an die University von Houston berufen wurde, hat dazu eine süffige, anspielungsreiche Musik geschaffen, die voller Amerikanismen steckt. Es gibt Square Dances und Folklore, und die zweite Arie der Susannah ist an ein Volkslied aus den Appalachen angelehnt. "Wir haben 55 Musiker im Orchester, es ist großes, großes Kino", schwärmt Hellriegel. Und tatsächlich hat Hollywood, besonders aber der Filmklassiker "Vom Winde verweht", seine Spuren in allen amerikanischen Opern dieser Zeit und eben auch in der des Südstaatlers Floyd hinterlassen. Sein Drama wolle sie so erzählen, dass auch jeder Opern-Erstgänger es auf Anhieb verstünde, erklärt die Regisseurin. Ich versuche, der Bewegung 'Deutsches Regietheater', sofern es die überhaupt noch gibt, nicht zu folgen. Ich will ganz nah an der Geschichte bleiben." Ihre Hauptkritik stützt sich auf die Doppeldeutigkeiten von Moralvorstellungen und den fragwürdigen Zeitgeist der 50er-Jahre, in den in den USA eben auch die zweifelhaften Kommunistenverfolgungen der McCarthy-Ära fielen, denen selbst Komiklegende Charlie Chaplin ausgesetzt war. "Ich habe viel über die 50er-Jahre recherchiert. Damals sollte alles so adrett und sauber ausschauen. Das habe ich in meiner Inszenierung überspitzt. Es ist alles ein bisschen zu schön und zu sauber, und die Petticoats sind ein bisschen zu groß." http://www.welt.de/wams_print/article1443613/Grosse_Oper__la_Broadway.html 9. Dezember 2007, von Helmut Peters |
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